Steuern & Recht 25.08.2026 · Billboy Redaktion

Innergemeinschaftlicher Erwerb — buchhalterische Erfassung

Während die innergemeinschaftliche Lieferung den Verkäufer entlastet, trägt der Käufer beim innergemeinschaftlichen Erwerb (igE) die volle Verantwortung. Du selbst rechnest die Umsatzsteuer auf die Nettorechnung und meldest sie ans deutsche Finanzamt — ein Vorgang, der für viele Selbstständige beim ersten Mal verwirrend wirkt, mit etwas Routine aber zur Pflichtübung wird.

Wann liegt ein innergemeinschaftlicher Erwerb vor?

Nach §1a UStG liegt ein innergemeinschaftlicher Erwerb vor, wenn:

  • ein Gegenstand aus einem anderen EU-Mitgliedstaat nach Deutschland gelangt,
  • der Erwerber Unternehmer ist und den Gegenstand für sein Unternehmen erwirbt,
  • der Lieferant Unternehmer ist und die Lieferung im Rahmen seines Unternehmens ausführt.

Du erhältst dann eine Nettorechnung ohne Umsatzsteuer mit Hinweis auf die innergemeinschaftliche Lieferung — das ist dein Signal: Du musst die deutsche Umsatzsteuer selbst berechnen.

Wie hoch ist die Erwerbsteuer?

Die Erwerbsteuer entspricht dem deutschen Steuersatz, der gelten würde, wenn der Gegenstand im Inland erworben worden wäre — also in der Regel 19 % oder ermäßigt 7 %. Bemessungsgrundlage ist das Nettoentgelt zuzüglich aller Nebenkosten (Fracht, Versicherung, Verpackung), die der Lieferant berechnet.

Die Buchung — Schritt für Schritt

Beispiel: Du kaufst Büromaterial in den Niederlanden für 1.000 Euro netto. Die Buchung sieht (vereinfacht) so aus:

  • Aufwand 1.000 Euro an Verbindlichkeit 1.000 Euro
  • Vorsteuer aus innergemeinschaftlichem Erwerb 190 Euro an Umsatzsteuer aus innergemeinschaftlichem Erwerb 190 Euro

Wirtschaftlich ist das ein Nullsummenspiel: Die Erwerbsteuer (Verbindlichkeit) und die Vorsteuer (Forderung gegen das Finanzamt) gleichen sich aus, sofern du vollständig vorsteuerabzugsberechtigt bist. Bei nicht vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmern (Kleinunternehmer, Ärzte) bleibt die Erwerbsteuer als echte Belastung.

Eintrag in die Umsatzsteuer-Voranmeldung

In der Voranmeldung sind die innergemeinschaftlichen Erwerbe getrennt nach Steuersätzen einzutragen:

  • Zeile 35/36: igE zum vollen Steuersatz
  • Zeile 37: igE zum ermäßigten Steuersatz
  • Der entsprechende Vorsteuerabzug erfolgt in Zeile 55

Erwerbsschwelle für Kleinunternehmer

Kleinunternehmer und nicht vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmer können bis zur Erwerbsschwelle von 12.500 Euro pro Jahr auf die Erwerbsbesteuerung verzichten. Sie bekommen dann eine Bruttorechnung des Lieferanten mit ausländischer Umsatzsteuer. Wer die Schwelle überschreitet oder freiwillig auf sie verzichtet, muss eine USt-IdNr. beantragen und die Erwerbsbesteuerung durchführen.

Sonderfall: Neue Fahrzeuge

Beim Erwerb neuer Fahrzeuge greift die Erwerbsbesteuerung immer — auch bei Privatpersonen und Kleinunternehmern (§1b UStG). Hintergrund: Verhinderung von Steuerarbitrage über Ländergrenzen.

Dokumentationspflichten

Halte die Eingangsrechnung des EU-Lieferanten ebenso geordnet vor wie bei Inlandsumsätzen. Wichtig ist die USt-IdNr. des Lieferanten — sie sollte auf der Rechnung stehen und im Idealfall auch deinerseits einmal qualifiziert geprüft worden sein, damit du sicher bist, dass es sich tatsächlich um einen igE handelt und nicht um einen Inlandskauf des Lieferanten.

Häufige Fehler

  • Erwerbsteuer vergessen: Wer die Erwerbsbesteuerung schlicht ignoriert, wird bei der nächsten Prüfung zur Kasse gebeten.
  • Falscher Steuersatz: Den deutschen, nicht den ausländischen Satz anwenden.
  • USt-IdNr. nicht angegeben: Wer keine USt-IdNr. zum Einkauf nutzt, läuft Gefahr, ausländische USt zu bezahlen — die ist im Inland nicht als Vorsteuer abziehbar.

Praxis-Tipp

Trenne in deiner Buchhaltung die Konten für inländische Vorsteuer und Vorsteuer aus innergemeinschaftlichem Erwerb sauber. Der DATEV-SKR03 sieht dafür eigene Konten vor (zum Beispiel 1574 für igE-Vorsteuer und 1774 für igE-Umsatzsteuer). Sobald die Konten richtig eingerichtet sind, läuft der Prozess in Billboy quasi automatisch — die Voranmeldung wird zur Routine.