DATEV & Buchhaltung 16.07.2026 · Billboy Redaktion

AfA und Abschreibung: linear, degressiv, Sonderfälle

Die Absetzung für Abnutzung (AfA) verteilt die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts über seine voraussichtliche Nutzungsdauer. Geregelt ist sie in §7 EStG. Sie ist Pflicht: Du kannst nicht einfach alle Kosten im ersten Jahr ansetzen, wenn das Wirtschaftsgut mehrere Jahre genutzt wird.

Wann wird abgeschrieben?

Wenn ein Wirtschaftsgut eine Nutzungsdauer von mehr als einem Jahr hat und die Anschaffungskosten die GWG-Schwelle überschreiten. Aktuell liegt diese Schwelle bei 800 Euro netto (Stand: voraussichtlich 2026 unverändert, ggf. neue Schwellenwerte beachten).

Lineare AfA

Der einfachste und meistgenutzte Fall. Du teilst die Anschaffungskosten durch die Nutzungsdauer in Jahren.

  • Beispiel: Computer für 1.800 Euro netto, Nutzungsdauer 3 Jahre.
  • Jahres-AfA: 1.800 / 3 = 600 Euro.
  • Im Anschaffungsjahr wird zeitanteilig (pro rata temporis) gerechnet, also pro vollem Anschaffungsmonat 1/12 der Jahres-AfA.

Degressive AfA

Die degressive Methode schreibt am Anfang höher ab und reduziert die AfA über die Nutzungsdauer. Sie wurde mehrfach ein- und wieder ausgesetzt; zuletzt wurde sie für bewegliche Wirtschaftsgüter wieder eingeführt. Höchstsatz und Gültigkeitszeitraum prüfst du in der aktuellen Fassung von §7 Abs. 2 EStG.

  • Beispiel mit 25 % degressiv und 1.800 Euro: Jahr 1 = 450 €, Jahr 2 = 25 % von 1.350 € = 337,50 €, und so weiter.
  • Wechsel von degressiv zu linear ist erlaubt und meistens sinnvoll, sobald die lineare AfA aus dem Restwert höher wäre.

Nutzungsdauer

Maßgeblich ist die offizielle AfA-Tabelle des BMF. Typische Werte:

  • Computer, Notebook, Tablet: ein Jahr (digitale Wirtschaftsgüter, BMF-Schreiben 2021).
  • Büromöbel: 13 Jahre.
  • Pkw: sechs Jahre.
  • Werkzeuge und Maschinen: je nach Tabelle, oft 5 bis 15 Jahre.
  • Gebäude (gewerblich, ab 2023): drei Prozent linear nach §7 Abs. 4 EStG.

Sofortabschreibung für digitale Wirtschaftsgüter

Computer-Hardware und Software können seit 2021 mit einer Nutzungsdauer von einem Jahr angesetzt werden. Praktisch wirkt das wie eine Sofortabschreibung im Anschaffungsjahr. Voraussetzungen: Eintrag im Anlagenverzeichnis und Anwendung im laufenden Jahr.

Buchungssätze

Anschaffung eines Notebooks für 1.500 Euro netto in SKR03:

0420 Büroausstattung 1.500 €
1576 Vorsteuer 19 % 285 €
an 1200 Bank 1.785 €

Jährliche AfA-Buchung:

4830 Abschreibungen auf Sachanlagen an 0420 Büroausstattung

In SKR04 lauten die Kontonummern entsprechend anders (0670 Büroausstattung, 6220 Abschreibungen).

Anlagenverzeichnis

Pflicht: Pro Wirtschaftsgut führst du im Anlagenverzeichnis Anschaffungsdatum, Anschaffungskosten, Nutzungsdauer, AfA-Methode, Restwerte und das Buchungs- oder Verkaufsdatum. Bei EÜR ist das Verzeichnis Teil der Anlage AVEÜR.

Außerplanmäßige Abschreibung

Wenn ein Wirtschaftsgut dauerhaft an Wert verliert (z. B. Maschine wird durch Brand zerstört), schreibst du außerplanmäßig auf den niedrigeren Wert ab (§253 Abs. 3 HGB, §6 EStG). Steuerlich gilt das Wahlrecht zwischen Beibehaltung oder Teilwertabschreibung.

Anlage in Bau

Wirtschaftsgüter, die noch nicht fertig sind, werden zuerst auf „Anlagen im Bau" gebucht und erst mit Inbetriebnahme aktiviert. Erst ab dem Monat der Inbetriebnahme beginnt die AfA.

Häufige Fehler

  1. Pro-rata-Berechnung im Anschaffungsjahr vergessen.
  2. GWG-Schwelle mit Brutto statt Netto verwechselt.
  3. Bei degressiver Methode nicht rechtzeitig zur linearen wechseln.
  4. Anlage verkauft, aber im Verzeichnis nicht ausgebucht.
  5. Computer-Sofortabschreibung pauschal auf alles angewendet statt nur auf qualifizierte Hardware/Software.

Wann sich welche Methode lohnt

Linear ist einfach und planbar. Degressiv senkt in den ersten Jahren die Steuerlast, wenn dein Gewinn hoch ist. In Verlustphasen ist degressiv eher ungünstig — die hohen Abschreibungen erhöhen den Verlust, ohne Steuer zu sparen.

Praxis-Tipp

Pflege das Anlagenverzeichnis fortlaufend, nicht nur einmal im Jahr. Jede Neuanschaffung über der GWG-Schwelle wird direkt eingetragen, jeder Verkauf direkt vermerkt. So vermeidest du im Jahresabschluss tagelanges Rückwärtsrechnen. In Billboy verbuchst du Anschaffungen als Eingangsrechnungen — das Anlagenverzeichnis selbst pflegt typischerweise dein Steuerberater im DATEV-System.