DATEV & Buchhaltung 11.07.2026 · Billboy Redaktion

GoB: Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung im Detail

Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) sind nicht in einem einzelnen Gesetz definiert. Sie ergeben sich aus §238 HGB, ergänzt durch §239 HGB, §243 HGB und die einschlägigen Steuergesetze. Die GoBD wiederum konkretisieren die GoB für die elektronische Buchführung.

Warum die GoB wichtig sind

Verstößt deine Buchführung gegen die GoB, gilt sie nach §158 AO nicht als ordnungsmäßig. Das Finanzamt darf sie verwerfen und nach §162 AO schätzen. Auch zivilrechtlich sind die GoB relevant: Eine GoB-konforme Buchhaltung ist Beweismittel im Streitfall.

Die formellen Grundsätze

Vollständigkeit

Alle Geschäftsvorfälle müssen erfasst werden. Lücken im Bestand sind ein klassischer Verwerfungsgrund. Auch innerbetriebliche Vorgänge wie Entnahmen oder Sachbezüge gehören dazu.

Richtigkeit

Buchungen müssen den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen. Belege müssen den realen Geschäftsvorfall abbilden. Geschönte Beträge oder fiktive Rechnungen sind nicht nur GoB-Verstoß, sondern strafbar.

Klarheit und Übersichtlichkeit

Buchungen sind so darzustellen, dass ein sachverständiger Dritter sie in angemessener Zeit versteht. Das betrifft Kontenbezeichnungen, Buchungstexte, Belegverweise.

Zeitgerechte Buchung

Unbare Geschäftsvorfälle sind zeitgerecht zu buchen — laut GoBD innerhalb von zehn Tagen. Kasse täglich. Verspätete Buchung ist kein Kavaliersdelikt; sie macht spätere Manipulationen leichter und ist deshalb prüfungsrelevant.

Ordnung

Sachliche Ordnung im Kontensystem, zeitliche Ordnung in Journalen und Konten. Belege werden fortlaufend nummeriert oder eindeutig identifizierbar.

Unveränderbarkeit

Ein Eintrag darf nach Festschreibung nicht ohne nachvollziehbare Korrektur geändert werden. Korrekturen erfolgen durch Storno und Neueintrag, nicht durch Überschreiben.

Die materiellen Grundsätze

Wahrheit

Buchungen müssen wahrheitsgemäß sein. Belege dürfen nicht zurückdatiert werden, Beträge nicht künstlich verändert werden.

Vorsicht

Beim Jahresabschluss gilt das Vorsichtsprinzip (§252 Abs. 1 Nr. 4 HGB): Erträge erst realisieren, wenn sicher; Risiken früh berücksichtigen.

Stetigkeit

Bewertungs- und Bilanzierungsmethoden sind beizubehalten. Ein Wechsel — etwa von linearer zu degressiver AfA — ist möglich, muss aber begründet und im Anhang erläutert werden.

Einzelbewertung

Vermögensgegenstände und Schulden werden grundsätzlich einzeln bewertet. Sammelbewertung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig.

Going Concern

Bewertung erfolgt unter der Annahme der Unternehmensfortführung, solange dem nicht tatsächliche oder rechtliche Gründe entgegenstehen.

GoB versus GoBD

Die GoB sind die ältere und übergeordnete Grundlage; die GoBD sind die Auslegung des BMF speziell für elektronische Bücher und elektronischen Datenzugriff. Wer die GoBD einhält, erfüllt in der Regel auch die GoB — aber nicht umgekehrt: Eine Papier-Buchhaltung kann GoB-konform sein, ohne dass GoBD gelten.

Konkrete Beispiele

  1. Beleg fehlt: Verstoß gegen Vollständigkeit. Nachreichen oder Eigenbeleg mit Begründung erstellen.
  2. Storno ohne Verweis auf Originalbeleg: Verstoß gegen Klarheit. Stornorechnung muss die Original-Rechnungsnummer nennen.
  3. Methodenwechsel ohne Erläuterung: Verstoß gegen Stetigkeit. Im Anhang dokumentieren und begründen.
  4. Bar-Buchung erst eine Woche später: Verstoß gegen zeitgerechte Buchung. Kasse muss täglich geführt werden.
Die GoB sind nicht Bürokratie um ihrer selbst willen. Sie machen Buchhaltung zu einem belastbaren Beweis — gegenüber Finanzamt, Bank und Gericht.

Wo Software hilft

Ein gutes System nimmt dir mehrere GoB-Aspekte ab: lückenlose Nummernkreise, Festschreibung, Änderungsprotokoll, Belegverknüpfung. Was Software nicht ersetzen kann: Disziplin, Vollständigkeit beim Erfassen und die korrekte Kontierung.

Praxis-Tipp

Geh deine letzten 100 Buchungen einmal mit den GoB-Begriffen im Kopf durch: Sind alle Belege da? Stimmen die Beträge? Ist der Text verständlich? Hast du in unter zehn Tagen gebucht? Was du dabei findest, ist deine persönliche Verbesserungsliste — und sie ist immer kürzer, wenn du regelmäßig prüfst statt einmal im Jahr.