DATEV & Buchhaltung 09.07.2026 · Billboy Redaktion

Verfahrensdokumentation für KMU: Aufbau und Inhalte

Eine Verfahrensdokumentation beschreibt, wie in deinem Unternehmen Belege entstehen, geprüft, gebucht und archiviert werden. Sie ist nach GoBD Tz. 151 ff. Pflicht — auch für sehr kleine Betriebe. Ohne sie kann das Finanzamt deine Buchführung als nicht ordnungsmäßig einstufen, was bis zur Schätzung führt.

Wer braucht sie?

Jeder, der buchführungs- oder aufzeichnungspflichtig ist. Das schließt EÜR-Rechner und Kleinunternehmer ein. Der Umfang darf der Komplexität des Betriebs angemessen sein: Ein Solo-Selbstständiger braucht keine 80-seitige Dokumentation, drei bis fünf Seiten reichen oft.

Die vier Pflichtkapitel

1. Allgemeine Beschreibung

Wer du bist, was du machst, welche Geschäftsvorfälle entstehen. Hier kommen Firma, Rechtsform, Branche, Mitarbeiterzahl, betriebliche Software hinein. Ein Absatz mit fünf bis zehn Sätzen reicht meist.

2. Anwenderdokumentation

Welche Prozesse laufen wie ab. Beispiele:

  • Wie kommt eine Eingangsrechnung ins System (Postfach → Prüfung → Erfassung)?
  • Wer erstellt Ausgangsrechnungen und in welchem System?
  • Wer macht Kassenbuch, Bankabgleich, Monatsabschluss?
  • Welche Belege werden gescannt, welche bleiben in Papier?

3. Technische Systemdokumentation

Welche Software, welche Versionen, welche Schnittstellen, welche Sicherungsverfahren. Wenn du Cloud-Software nutzt, beschreibst du auch deinen Anbieter, das Rechenzentrum und das Sicherungskonzept des Anbieters.

4. Betriebsdokumentation

Was wird wann gemacht: tägliche, wöchentliche, monatliche, jährliche Aufgaben. Plus: Was passiert bei Fehlern, wer ist erreichbar, wie wird wiederhergestellt.

Pflichtinhalte im Detail

  1. Belegeingang: Über welche Kanäle kommen Belege herein? Papier, E-Mail, ZUGFeRD, XRechnung, Portal-Download?
  2. Belegprüfung: Vier-Augen-Prinzip oder Eigenprüfung? Was wird inhaltlich geprüft?
  3. Belegerfassung: Wer bucht, mit welchem System, mit welcher Kontierungslogik?
  4. Belegarchivierung: Wo werden Belege gespeichert, wie verknüpft mit Buchungen, wie lange?
  5. Datensicherung: Wie oft, wohin, wie geprüft?
  6. Notfall: Was passiert bei Systemausfall, Hardware-Defekt, Cyberangriff?

Ersetzendes Scannen extra dokumentieren

Wenn du Papier scannst und das Original entsorgst, muss das ausführlich beschrieben sein: Welches Gerät, welche Auflösung, welche Farbtiefe, wer scannt, wie wird geprüft, wann wird vernichtet, wie wird das Scan-Ergebnis unveränderbar abgelegt.

Beispiel-Formulierung Rechnungsausgang

Ausgangsrechnungen werden in Billboy erstellt. Der Inhaber prüft Empfänger, Positionen und Steuerlogik. Mit „Festschreiben" wird die Rechnung mit lückenloser Nummer aus der Sequenz versehen und als PDF gespeichert. Der Versand erfolgt per E-Mail mit PDF-Anhang. Die Rechnung wird gleichzeitig im DATEV-Buchungsstapel des laufenden Monats vermerkt und am Monatsende dem Steuerberater übermittelt.

Aktualisierung

Bei jeder Prozessänderung wird die Verfahrensdokumentation angepasst und versioniert. Eine Versionshistorie mit Datum, Änderung und Verantwortlichem ist sinnvoll. Bei einer Außenprüfung muss die zum Prüfzeitraum gültige Version vorliegen.

Typische Lücken

  • Belegfluss aus E-Mails wird nicht beschrieben.
  • Wer welche Berechtigung im System hat, fehlt.
  • Backup-Test wird nie erwähnt.
  • Vertretungsregelung wird nicht definiert.
  • Externe Dienstleister (Steuerberater, Cloud-Anbieter) werden nicht genannt.

Form und Aufbewahrung

Die Verfahrensdokumentation ist Teil der aufbewahrungspflichtigen Unterlagen (§147 AO) — also zehn Jahre aufzubewahren, jeweils in der Version, die zum Geschäftszeitpunkt galt. PDF mit Signatur oder ausgedruckt und unterschrieben sind gleichwertig.

Vorlagen

Die GoBD-Mustervorlage des Bundesverbands der Bilanzbuchhalter ist ein guter Startpunkt. Wichtig ist aber: Du musst sie auf deinen Betrieb anpassen, nicht nur Logo und Firma austauschen. Ein Prüfer erkennt Standardtexte sofort.

Praxis-Tipp

Schreibe die erste Version in einem Rutsch, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Lege sie weg, lies sie nach einer Woche neu — du wirst Lücken sehen. Pflege sie danach immer dann, wenn ein Prozess sich ändert. In Billboy bilden die fest hinterlegten Nummernkreise, Vorlagen und Layouts den technischen Teil deiner Doku schon ab, du musst nur die Abläufe drumherum beschreiben.